Viele Momente des “echten” Lebens lassen sich eben doch nicht, noch nicht, in “Poesie” ausdrücken.Wie soll man es auch vernünftig ausdrücken, wenn man auf dem Weg nach Hause, in der Straßenbahn, neben einer schönen, rothaarigen Frau sitzt, die nicht nur wunderbar gekleidet ist, mit goldenem Rock und Mütze, sondern auch noch auf den Knien eine gebundene Ausgabe von Dante’s Divine Comedy ließt - in italienisch - und das in einem tristen postindustriellen rush hour Universum abends um halb 7, zwischen all den Gestalten aus dem RTL Nahcmittagsprogramm, wie soll man es es ausdrücken, wie schön man das fand, nich sexuell erregend sondern einfach nur schön, wie soll man das ausdrücken, ohne wie die pathetischen, alten, vom Sex besessenen aber zum Sex nicht mehr fähigen, Autoren zu klingen, die man gelernt hat nicht mehr so gut zu finden, wie soll man das ausdrücken, ohne sich völlig lächerlich zu machen, ohne die eigene Biografie, die eigenen Schattenseiten, die eigene Unsicherheit, die den schönen Moment nicht zur Entfaltung bringen kann, nach Außen zu kehren, wie soll man das ausdrücken?
Hallo Tränendrüse, warte noch 'ne Minute.
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